Situation und Zusammenarbeit
Namibia wird in die Gruppe der Länder mit mittlerem Einkommen eingestuft, aber in kaum einem anderen Land ist das Vermögen so ungleich verteilt wie dort. Namibia rangiert daher im "Gini-Index", der die Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen beschreibt, an einer der weltweit höchsten Stellen.
Die ungleichen sozialen Verhältnisse haben zu einer Spaltung der Gesellschaft geführt. Eine vorwiegend weiße Elite und eine neue schwarze Mittelschicht können einen annähernd europäischen Lebensstandard pflegen, während weite Teile der überwiegend schwarzen Bevölkerung in extremer Armut leben.
Diese gesellschaftliche Spaltung zu überwinden und vor allem der jungen Generation neue Perspektiven zu bieten, ist die große Herausforderung der namibischen Gesellschaft – und auch der Entwicklungszusammenarbeit mit Deutschland. Weitere Schwerpunkte sind die Probleme der Landverteilung, die Knappheit der natürlichen Ressourcen und die Gefährdung von Natur und Umwelt durch Übernutzung, die fehlenden Arbeitsplätze und die mangelnde Qualität des Bildungssystems. Die Arbeitslosigkeit liegt in Namibia bei mehr als 30 Prozent, hinzu kommt eine erhebliche Quote an Unterbeschäftigung im Bereich der Subsistenzlandwirtschaft.
Die Ausbreitung von HIV/AIDS ist eine Tragödie, die besonders junge Menschen und vor allem Frauen betrifft. Mehr als 15 Prozent der 15- bis 49-Jährigen sind infiziert. Die Pandemie hat auch negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Im dünn bevölkerten Namibia fallen durch die Krankheit Arbeitskräfte in Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung weg.
Ein wesentlicher Engpass der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung ist zudem die Energieversorgung. Namibia ist in hohem Maß auf Stromimporte aus den Nachbarländern angewiesen. Insbesondere Südafrika musste seine Lieferungen reduzieren, um den eigenen Markt zu versorgen.
Entwicklungspotenziale
Im afrikanischen Vergleich gilt Namibia als sicherer Investitionsstandort. Das Land verfügt über eine stabile Demokratie und konnte in den vergangenen Jahren ein konstantes Wirtschaftswachstum vorweisen. Nachteile für Investoren sind der sehr kleine Binnenmarkt, relativ hohe Arbeitskosten und der Mangel an Fachkräften.
Chancen Namibias liegen vor allem in der Förderung von mineralischen Rohstoffen, in der Fischerei und im Individualtourismus. Der Bergbau bildet das Rückgrat der namibischen Volkswirtschaft. Der Abbau von Diamanten, Uran, Kupfer und anderen Bodenschätzen bringt wichtige Devisen, sichert jedoch aufgrund des hohen Technisierungsgrads nur wenige Arbeitsplätze. Weit mehr könnten entstehen, wenn die Bodenschätze vor Ort auch veredelt würden. Dafür sind jedoch qualifizierte Arbeitskräfte nötig, die Namibia in diesem Wirtschaftszweig zurzeit noch nicht hat.
Die verarbeitende Industrie ist auch in anderen Bereichen schwach ausgeprägt. Es gibt überwiegend Klein- und Mittelbetriebe, die fast ausschließlich Konsumgüter für den lokalen Markt herstellen. Schwerpunkte liegen auf der Getränke- und Lebensmittelherstellung und bei der Fischverarbeitung. Die Fischereiindustrie profitiert von der Lage Namibias am fischreichen Benguelastrom, einer Meeresströmung im Südatlantik. Die namibische Regierung ist bestrebt, die Folgen der Überfischung während der südafrikanischen Besetzung wieder zu korrigieren. Erfolge sind bereits sichtbar.
Der Tourismus bietet ebenfalls Entwicklungsmöglichkeiten, vor allem durch Besucher aus Europa. Aufgrund seiner landschaftlichen Schönheit, der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt, der kulturellen Vielfalt und der nach wie vor starken Stellung der deutschen Sprache wird Namibia vor allem bei Individualtouristen aus Deutschland immer beliebter. Da die meisten Namibia-Touristen auch die benachbarten Länder mit ihren grenzübergreifenden Wildparks besuchen wollen, ist Namibia in diesem Sektor stark von der politischen Stabilität seiner Nachbarn abhängig. Im Zusammenhang mit der 2010 in Südafrika stattfindenden Fußballweltmeisterschaft wird ein zusätzlicher Anstieg der Touristenzahlen erwartet.
Besonders wichtig für die Entwicklung des Landes ist es, die natürlichen Ressourcen Namibias zu schützen und die Potenziale der Menschen besser zu nutzen, indem die Ausbildung verbessert, die Gesundheitsvorsorge (vor allem in Bezug auf HIV/AIDS) verstärkt und Arbeitsplätze geschaffen werden. Diese Aspekte sind auch wesentliche Bestandteile der "Vision 2030", dem nationalen langfristigen Entwicklungsplan. Darin hat sich Namibia das Ziel gesteckt, bis zum Jahr 2030 den Lebensstandard eines Industrielandes zu erreichen. Zentrales Leitmotiv ist dabei die Bekämpfung der Armut. Auch der Kampf gegen HIV/AIDS wird als große Herausforderung für alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche anerkannt.
Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Namibia
Die besondere historische Verantwortung Deutschlands gegenüber Namibia drückt sich auch im großen Engagement der deutschen Entwicklungszusammenarbeit aus. Deutschland ist seit der Unabhängigkeit 1990 wichtigster bilateraler Geber des Landes. Für den Zweijahreszeitraum 2009/2010 hat die Bundesrepublik 125 Millionen Euro zugesagt. Kein Land in Afrika erhält von der Bundesregierung pro Kopf der Bevölkerung mehr Mittel für die Entwicklung als Namibia.
Die Rahmenbedingungen für die weitere Zusammenarbeit sind gut. Folgende Bereiche sind als Schwerpunktthemen vereinbart:
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Management natürlicher Ressourcen
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Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
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Transport
Wegen der großen Bedrohung, die von der weiteren Verbreitung von HIV/AIDS ausgeht, ist die Bekämpfung der Krankheit weiterhin Querschnittsthema der bilateralen Zusammenarbeit.
2007 wurde außerdem die so genannte deutsch-namibische Sonderinitiative gestartet. Für diese Initiative hat die Bundesregierung zusätzlich zur bilateralen Entwicklungszusammenarbeit insgesamt 20 Millionen Euro bereitgestellt. Die Mittel sind vorgesehen für Maßnahmen der Kommunalentwicklung in den Siedlungsgebieten derjenigen Volksgruppen, die in besonderer Weise unter der deutschen Kolonialherrschaft gelitten haben. Die Kleinprojekte sollen die Lebensbedingungen in diesen Gebieten verbessern und können wirtschaftliche, soziale und kulturelle Ziele verfolgen.
Die Maßnahmen kommen allen Menschen zugute, die in den entsprechenden Siedlungsgebieten leben. Sie unterstützen damit die namibische Politik der nationalen Versöhnung.
Die Sonderinitiative setzt ausdrücklich auf einen in die Zukunft gerichteten Entwicklungsprozess statt auf eine rückwärtsgewandte "Wiedergutmachung". In ihr werden Aspekte der Armutsbekämpfung und der partizipativen Entwicklung marginalisierter Regionen Namibias sowie der Begegnung und Verständigung miteinander verknüpft.
Management natürlicher Ressourcen
Namibia ist das trockenste Land südlich der Sahara. Die Böden sind stark erosionsgefährdet; Wasser ist sehr knapp und die natürlichen Ressourcen sind durch Bevölkerungswachstum und unangepasste Bewirtschaftungsmethoden gefährdet. Weite Gebiete sind von Wüstenbildung bedroht.
70 Prozent der namibischen Bevölkerung sind direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig. In Folge von Kolonialismus und Apartheid ist der Landbesitz äußerst ungleich verteilt. Das kommerziell genutzte Farmland ist überwiegend unter Kontrolle weißer Großfarmer; mittlerweile befinden sich etwa 20 Prozent dieses Landes nicht mehr in der Hand von Weißen. In den kommunal verwalteten Gebieten wiederum gab es bisher kein individuelles Landeigentum. Die Vergabe von Nutzungsrechten erfolgte überwiegend mündlich durch die traditionellen Führer. Die Umsetzung der Landreform ist zwar quantitativ erfolgreich, bleibt aber bislang qualitativ hinter den Erwartungen zurück.
Nachhaltige und gerechte wirtschaftliche Nutzung der natürlichen Ressourcen ist ein Hauptziel der Strategie zur Armutsminderung, zur Einkommenssicherung und zum Überleben der ländlichen Bevölkerung sowie zur Sicherung des sozialen Friedens in Namibia. Deutschland unterstützt die namibischen Bemühungen, einen fairen Zugang zu Land und Wasser herzustellen. Auf nationaler Ebene wird die Regierung bei der Verbesserung der Rahmenbedingungen und beim Aufbau institutioneller Kapazitäten für das Umwelt- und Ressourcenmanagement beraten. Auf regionaler und kommunaler Ebene wird die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zum Beispiel durch die Einrichtung von Umsiedlungsfarmen, Gemeindewäldern und Naturschutzgebieten gefördert.
In den vergangenen Jahren hat die namibisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit zur Initiierung und Umsetzung wichtiger gesetzlicher und planerischer Rahmenbedingungen für nachhaltiges Ressourcenmanagement in Namibia beigetragen.
Wesentliche quantitative Ziele wurden erreicht. Einige Beispiele: Verteilung von 6,3 Millionen Hektar kommerziellen Landes an ehemals benachteiligte Haushalte; Registrierung von mehr als 15.000 Parzellen Kommunalland; Start der strategischen Umweltprüfung für die Erongo-Region (Hauptabbaugebiet für Uran); Beginn der Rehabilitierung von drei großen verseuchten Minengebieten; Management von 464.000 Hektar Land durch Gemeindewälder-Komitees mit 32.500 Nutznießern; Operationalisierung von drei Nationalparks in Nord-Namibia; Einrichtung von zwei "Water Basin Management Committees" und Bereitstellung wesentlicher Grundwasser-Informationen im Cuvelai-Becken; Beratung von etwa 1.500 Neufarmern durch 24 Landwirtschafts-Mentoren.
Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
Zentrale Probleme des Landes sind die ungleiche Verteilung von Wohlstand, die hohe Arbeitslosigkeit und die weit verbreitete Armut. Um sie lösen zu können, ist eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung notwendig. Auch die Spaltung der Wirtschaft in einen kleinen formellen und einen großen informellen Sektor mit niedrigem Ausbildungsstand muss überwunden werden. Die namibisch-deutsche Zusammenarbeit konzentriert sich darum in diesem Bereich auf die Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Um die Abhängigkeit von der Rohstoffindustrie im Land zu verringern, fördert Deutschland besonders das Kleingewerbe und verarbeitende Betriebe.
Gleichzeitig soll der Finanzsektor weiterentwickelt werden. In Städten gibt es für die wohlhabende Bevölkerung ein ausreichendes Angebot an Finanzdienstleistungen. Die ländliche Bevölkerung und Kleinbetriebe – vor allem des informellen Sektors – haben dazu bisher jedoch kaum Zugang, sondern sind auf Geldverleiher angewiesen. Die Finanzinstitutionen sollen daher mit deutscher Unterstützung ihr Angebot auf diese bisher benachteiligten Bevölkerungsgruppen ausweiten, etwa durch die Bereitstellung von Mikrokrediten. Dadurch sollen Kleinstbetriebe die Möglichkeit erhalten, längerfristig zu planen, mehr Arbeitsplätze zu schaffen und gewinnbringender zu wirtschaften.
Mit deutscher Unterstützung wurde ein System für Mikrofinanzdienstleistungen entwickelt und getestet. Bislang konnten dadurch bereits über 6.500 Kunden (davon 92 Prozent Frauen) mit einem kumulierten Darlehen von mehr als 26 Millionen Namibia-Dollar (etwa 2,3 Millionen Euro) unterstützt werden. Direkt und indirekt profitierten davon mehr als 40.000 Menschen. Das Projekt wird derzeit in Namibias erste Mikrofinanz-Bank transferiert.
Die namibische Regierung wurde außerdem bei der Entwicklung der Privatsektorstrategie sowie eines "Whitepapers on Regional and Local Economic Development" unterstützt. Mit deutscher Unterstützung hat die namibische Regierung einen landesweiten Unternehmenszensus durchgeführt. Nach der für März 2010 erwarteten Auswertung der Ergebnisse wird Namibia damit zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit über Informationen zur Anzahl und Zusammensetzung aller Unternehmen des Landes verfügen. Zugleich konnte die NAMPOST Savings Bank mit Unterstützung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ein neues Zahlungssystem zur Erweiterung ihrer Dienstleistungen einführen. Es basiert auf einem Chipkartensystem mit biometrischen Sicherheitsmerkmalen. Dieses Zahlungssystem wird mittlerweile von mehr als 280.000 Kunden genutzt. Ein als PPP gestaltetes Mentoring-Programm der deutschen Technischen Zusammenarbeit mit zwei kommerziellen Banken unterstützt derzeit etwa 400 kleinste, kleine und mittlere Unternehmen (KKMU), wodurch die Kreditausfallraten der Banken von ehemals etwa 30 Prozent auf unter ein Prozent gesenkt und die KKMU-Kreditvolumina signifikant erhöht werden konnten.
Transport
Namibia ist fast zweieinhalb Mal so groß wie Deutschland, wird jedoch nur von 2,1 Millionen Menschen bewohnt. Für seine wirtschaftliche Entwicklung benötigt es eine leistungsfähige Transportinfrastruktur.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit berät deshalb die Regierung, entsendet Fachkräfte und erarbeitet Ausbildungsprogramme für den Transportbereich. Zudem wird das Straßennetz verbessert – vor allem im dicht besiedelten Norden des Landes, wo mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung leben. Auch in den restlichen Gebieten werden Transportkorridore ausgebaut, unter anderem zum Tiefseehafen Walvis Bay. Der Hafen ist ein überregional bedeutender Verkehrsknotenpunkt für nationale und internationale Transporte. Er dient unter anderem auch den benachbarten Binnenländern Sambia und Botswana als Warenumschlagplatz.
Seit Beginn der Zusammenarbeit wurden fast 1.000 Kilometer Straßen mit deutscher Unterstützung gebaut oder erneuert; allein in der dritten Phase des Programms der Finanziellen Zusammenarbeit "Arbeitsintensiver Straßenbau" werden 40 Schulen und 12 Kliniken ans Straßennetz angeschlossen.
Mit Hilfe deutscher Technischer Zusammenarbeit wurde eine "Road Safety Strategy" entwickelt und zu Verkehrssicherheits-Kampagnen beigetragen – zwischen 2004 und 2008 konnte die Anzahl der Verkehrsunfälle um 50 Prozent gesenkt werden. Mehr als 1.000 kleine und mittlere Unternehmen nahmen 2008 an Trainings unter anderem zu Ausschreibungsverfahren und Projektdurchführung im Straßensektor teil.
Über eine Partnerschaft der Fachhochschule Aachen mit der Polytechnic of Namibia wurde ein international anerkanntes Curriculum für Bauingenieurwesen entwickelt – die Zahl der eingeschriebenen Studenten stieg von 2004 bis 2009 um 70 Prozent. Seit der Beendigung des ersten Hafenausbaus von Walvis Bay mit deutscher Unterstützung im Jahr 2000 stieg der Hafen-Gesamtumschlag um 50 Prozent und der von Container-Cargo um 700 Prozent.
zuletzt bearbeitet: Januar 2010
Informationen
Siehe auch
Publikationen
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Partner für ein
starkes Afrika:
Zusammenarbeit im
Bereich Wasser
BMZ Materialien 162
(PDF 1,7 MB) -

Partner für ein
starkes Afrika:
Zusammenarbeit im
Bereich Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
BMZ Materialien 163
(PDF 2,1 MB) -

Wirtschaftspartnerschafts-
abkommen zwischen AKP-Staaten und EU
BMZ Materialien 174
(PDF 618 KB, barrierefrei) -

Gesundheit fördern – HIV/AIDS bekämpfen
BMZ Materialien 177
(PDF 968 KB, barrierefrei)


