Situation und Zusammenarbeit
Mosambiks Wirtschaft gehört zu den am schnellsten wachsenden Volkswirt- schaften Afrikas: Von Anfang der 1990er Jahre bis 2006 erlebte das Land einen Aufschwung mit durch- schnittlichen jährlichen Wachstumsraten von etwa 8 Prozent, 2007 wuchs die Wirtschaft um 7,3 Prozent. Die Wirtschaftsreformen der Regierung wurden durch ein Programm zur Struktur- anpassung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank begleitet. Das Programm sah unter anderem die Privatisierung der staatlichen Betriebe vor. Mehr als 1.200 überwiegend kleine Staatsbetriebe wurden inzwischen privatisiert. Im Juni 1999 wurde in Mosambik außerdem die Mehrwertsteuer eingeführt, um die Einnahmen des Staates zu stabilisieren. Aufgrund der weltweiten Finanzkrise sagen Experten für 2009 jedoch nur noch ein Wachstum von 4,5 Prozent voraus.
Verschiedene Großprojekte – vor allem im Bergbausektor – werden der Wirtschaft Mosambiks auch in den kommenden Jahren Dynamik verleihen. Für sie hat die Regierung bürokratische Hemmnisse weitgehend abgebaut. Für kleinere Investitionen gilt das Land aber noch immer als schwieriger Markt: Kleine und mittelständische Unternehmen leiden unter ineffizienten Behörden, Korruption, einer schlechten Infrastruktur und einem mangelnden Zugang zu Krediten.
Die Mehrheit der Bevölkerung profitiert noch nicht ausreichend von den hohen Wachstumsraten der Wirtschaft. Mehr als die Hälfte der Einwohner lebt unterhalb der Armutsgrenze. Eine Besonderheit dabei: Die Armut in den Städten ist in Mosambik ebenso groß wie die Armut auf dem Land. Die schwierige Situation der Stadtbevölkerung zeigte sich beispielhaft bei Unruhen in Maputo und anderen Städten im Februar 2008. Anlass war eine Erhöhung der Preise für Sammeltaxen und Minibusse. Viele Bürger protestierten, weil sie die eigene soziale Lage als zunehmend schwierig empfanden und gleichzeitig sahen, dass der Wohlstand der politiknahen Elite wächst.
Auch die Folgen des jahrzehntelangen Unabhängigkeitskampfs und des anschließenden Bürgerkriegs sind noch nicht vollständig überwunden. Schwächen der Infrastruktur machen das alltägliche Leben schwer: Viele Gebäude sind zerstört, es gibt wenig Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen und viele Häfen und Straßen wurden noch immer nicht repariert. Handel und Industrie leiden stark unter diesen Schwächen.
Fortschritte
Trotz dieser Probleme hat
die Reform- und Entwick-
lungsorientierung der Regierung schon zu
wichtigen Fortschritten auf dem Weg zur Verwirklichung der Millenniumsentwick-
lungsziele (MDG) geführt: Zwischen 1997 und 2003 konnte die Armut um rund
15 Prozent vermindert werden. Auch die Kindersterblichkeit hat sich reduziert. 1990 starben noch 235 von 1.000 lebend geborenen Kindern vor ihrem fünften Geburtstag, bis 2007 ging diese Zahl auf 138 zurück. Die Müttersterblichkeitsrate sank von 1990 bis 2000 um ein Drittel. Dennoch ist die Zahl der Mütter, die während der Schwangerschaft oder bei der Geburt eines Kindes sterben, noch immer sehr hoch. Ein Grund dafür ist, dass die meisten Geburten – vor allem in ländlichen Regionen – nicht von einer ausgebildeten Hebamme, einer Krankenschwester, einer Ärztin oder einem Arzt betreut werden.
Erfreulich ist die Entwicklung der Einschulungsrate bei den Sechsjährigen: Sie stieg von 29,6 Prozent im Jahr 2000 auf 72,9 Prozent im Jahr 2008 an. In absoluten Zahlen bedeutet das: 2000 besuchten 2 Millionen Kinder eine Grundschule – im Jahr 2008 waren es 4,18 Millionen.
Bisher brechen jedoch noch zu viele Kinder ihre Schulausbildung nach kurzer Zeit wieder ab. Das gilt besonders für Mädchen, die im Haushalt arbeiten müssen oder früh heiraten sollen. Während des Bürgerkriegs und auch durch die Flutkatastrophen der letzten Jahre wurden viele Schulen zerstört. Darum sind – trotz der großen Fortschritte der vergangenen Jahre im Schulbau – vor allem in ländlichen Gebieten noch nicht genug Schulgebäude vorhanden. Aber auch Lehrerinnen und Lehrer fehlen. Schlecht oder gar nicht ausgebildete Lehrkräfte und mangelhafte Lehrpläne wirken sich negativ auf die Qualität der Bildung aus.
Ein großes Problem in Mosambik ist HIV/AIDS. 2007 waren 16 Prozent der Erwachsenen mit dem HI-Virus infiziert. Es ist zu befürchten, dass allein im Bildungsbereich in den nächsten Jahren 17 Prozent der Beschäftigten an AIDS sterben werden – das sind mehr Lehrkräfte, als neu ausgebildet werden. Vor allem die ländliche Bevölkerung hat kaum Kenntnisse über die HIV-Infektion und die Möglichkeiten, eine Ansteckung zu vermeiden.
Rückschläge
Vor allem Naturkatastrophen haben immer wieder zu Rückschlägen in der Entwicklung des Landes geführt. In den meisten Monaten des Jahres bestimmt Trockenheit das Leben in Mosambik. Lediglich zwischen Januar und März fällt Regen auf die karge Landschaft; er ist oft so stark, dass er Überschwemmungen verursacht. Dieser Wechsel von Phasen mit viel zu wenig und Phasen mit viel zu viel Wasser hat mehrmals dazu geführt, dass Mosambik von Nahrungsmittelhilfe abhängig wurde.
Im Jahr 2000 verloren eine Million Menschen durch eine Überschwemmung alles, was sie hatten. Ein großer Teil der Anbauflächen und die landwirtschaftliche Infrastruktur wurden durch das Wasser zerstört. Das Wirtschaftswachstum ging kurzfristig zurück, stieg 2001 jedoch wieder an. Anfang 2007 und Anfang 2008 waren erneut viele Tausend Menschen von starken Überschwemmungen betroffen.
Die Zahl der chronisch unterernährten Kinder ist von 41 Prozent im Jahr 2003 auf mehr als 46 Prozent 2006 angestiegen. Experten machen dafür auch den schwachen Landwirtschaftssektor verantwortlich. Die Produktivität der Landwirtschaft, mit der 80 Prozent der Mosambikaner ihren Lebensunterhalt verdienen, wächst nur langsam und ist insgesamt sehr niedrig. So betrug der Anteil der Landwirtschaft am Gesamthaushalt 2008 nur 2,7 Prozent. Für Kleinbauern ist der Zugang zu Krediten schwierig, die Vermarktungswege sind noch unzureichend.
Als Antwort auf die weltweite Nahrungsmittelkrise, die auch in Mosambik die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe getrieben hat, hat die Regierung im Sommer 2008 ein Sonderprogramm zur Nahrungsmittelproduktion in Höhe von rund 360 Millionen US-Dollar gestartet. Es soll das heimische Angebot an Grundnahrungsmitteln erhöhen und die Abhängigkeit von teuren Exporten verringern. Gleichzeitig soll es die Einkommen in der Landwirtschaft erhöhen. Das Sonderprogramm kann aber nur erfolgreich sein, wenn der Landwirtschaftssektor insgesamt deutlich gestärkt wird.
Mosambiks wichtigster Wirtschaftszweig ist der Dienstleistungssektor, er wächst am stärksten. Grund dafür ist vor allem der expandierende Tourismussektor. Zweitwichtigster Wirtschaftszweig ist die Industrie.
Import und Export des Landes hängen eng von der Situation in den Nachbarländern ab. Die unsichere politische Lage im benachbarten Simbabwe belastet die mosambikanische Wirtschaft zum Beispiel stark, weil viel weniger Waren des Nachbarlandes in mosambikanischen Häfen verschifft werden.
Entwicklungspotenziale
Das Land am Indischen Ozean hat gegenüber den Nachbarstaaten den geographischen Vorteil, am Meer zu liegen. Für Malawi, Sambia und Simbabwe ist Mosambik traditionell ein Transitland. Zahlreiche ausländische Unternehmen haben dieses Potenzial erkannt, in den nächsten Jahren fließen umfangreiche Investitionen in den Hafen der Hauptstadt Maputo.
Nach Südafrika, Malawi und Swasiland exportiert Mosambik Elektrizität aus dem Cahora-Bassa-Wasserkraftwerk. Der staatliche Stromversorger Electricidade de Mocambique (EDM) plant, den Energieexport auszuweiten und ein Kraftwerk am Sambesi-Fluss zu errichten.
Wenn die Wirtschaft sich erfolgreich entwickelt, könnten auch Cashewnüsse, Mais oder Baumwolle verkauft werden. Für eine positive Entwicklung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft ist ausreichend fruchtbarer Boden vorhanden.
Weitere Chancen für wirtschaftliches Wachstum liegen in der Gewinnung von Bodenschätzen wie Kupfer, Erdgas oder Kohle. Das größte Bergbauprojekt Mosambiks ist die geplante Wiederaufnahme der Kohleförderung nahe Moatize in der Tete-Provinz. Im Oktober 2008 hat die Regierung beschlossen, der Initiative für Transparenz in der Rohstoffwirtschaft (EITI) beizutreten. Der Aufnahmeprozess läuft. Mit diesem Schritt ist die Hoffnung verbunden, Korruption und Vetternwirtschaft in diesem sensiblen Bereich begrenzen zu können.
Umfangreiche Privatisierungen haben in den letzten Jahren zu Investitionen aus dem Ausland geführt. Dadurch entstehen auch Arbeitsplätze und es besteht die Hoffnung, dass sich die Arbeitslosenrate langfristig verringern wird. Sie liegt nach Schätzungen bei etwa 50 Prozent. Für die Regierung hat sich der finanzielle Spielraum zur Umsetzung ihres Entwicklungsprogramms durch den Schuldenerlass im Rahmen der HIPC-Initiative und der Multilateralen Entschuldungsinitiative (MDRI) erweitert.
Auch der Tourismus hat Wachstumspotenzial. Schon in den letzten Jahren konnte die Branche einen Anstieg der Besucherzahlen verzeichnen. 2007 kamen rund 1,3 Millionen Touristen in das afrikanische Land. Sie schätzen vor allem die mehr als 2.400 Kilometer lange Küste am Indischen Ozean. Mit seinem großen Tier- und Pflanzenreichtum könnte aber auch das Inland in Zukunft viele Besucher anlocken. Deshalb unterstützt Deutschland ein Erfolg versprechendes Projekt: Im Länderdreieck Republik Südafrika, Mosambik und Simbabwe werden sich der südafrikanische Krüger-Nationalpark, der mosambikanische Limpopo-Park und der Gonarezhou-Nationalpark in Simbabwe zu einem grenzübergreifenden Nationalpark zusammenschließen. Der so entstehende Great Limpopo Transfrontier Park wird eines Tages eine Fläche von 100.000 Quadratkilometern umfassen. Er wird sowohl auf dem Gebiet des Naturschutzes als auch für den Tourismus große Chancen bieten.
Außenpolitik
Mosambik ist ein engagiertes Mitglied der südafrikanischen Regionalorganisation SADC (Southern African Development Community). Die SADC ist der bedeutendste Wirtschaftsraum in Afrika südlich der Sahara. Wichtigster Handelspartner von Mosambik ist Südafrika, zwischen beiden Ländern existiert ein reger Handels-, Besucher- und Meinungsaustausch. Zu vielen Staaten weltweit unterhält Mosambik diplomatische Beziehungen, auch das Verhältnis zur ehemaligen Kolonialmacht Portugal ist inzwischen freundschaftlich.
Mosambik ist Mitglied in der Afrikanischen Union. Auch der NEPAD-Initiative (New Partnership for Africa's Development), die es sich zum Ziel gesetzt hat, mehr Eigenverantwortung für Frieden, Demokratie und die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents zu übernehmen, gehört Mosambik an. Ende 2006 wurde mit dem Prozess der gegenseitigen Bewertung der Regierungsführung, der Peer Review, in Mosambik begonnen. Inzwischen liegt der Abschlussbericht vor und wurde vom mosambikanischen Kabinett gebilligt.
Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Mosambik
Deutschland gehört zu den zehn größten bilateralen Gebern Mosambiks. Das Land wird unter anderem auch von Großbritannien, den USA, der Europäischen Union und der Weltbank gefördert. Die Bundesrepublik hat sich nach dem Ende des Bürgerkriegs vor allem beim Wiederaufbau, der Reintegration von Flüchtlingen und der Räumung von Minen engagiert. Während der Überschwemmung 2000 stand die Nothilfe im Vordergrund. Heute konzentriert sich die Zusammenarbeit zwischen Mosambik und Deutschland besonders auf die Umsetzung der nationalen Armutsbekämpfungsstrategie (PARPA I und II) und auf die Stärkung mosambikanischer Institutionen und auf ihre Beratung. Mit der Regierung von Mosambik wurden folgende Schwerpunkte für die Zusammenarbeit vereinbart und zuletzt 2009 bestätigt:
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Grundbildung und Berufsbildung
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Dezentralisierung für ländliche Entwicklung
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Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
Die Bundesrepublik hat Mosambik für die Jahre 2009 bis 2011 Mittel in Höhe von 113,5 Millionen Euro zugesagt. Darin enthalten ist Budgethilfe in Höhe von 20 Millionen Euro. Die Auszahlung der Budgethilfe erfolgt in Abhängigkeit von Indikatoren, die die Regierungsführung Mosambiks bewerten.
Budgethilfe
Mosambik ist eines der ersten Länder der Welt, das im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit eine direkte und ungebundene Budgethilfe zum Staatshaushalt erhält. Budgethilfe erfolgt immer in Absprache mit den anderen Gebern eines Landes, sie ist eine programmorientierte Gemeinschaftsfinanzierung.
Voraussetzungen dafür sind gute Regierungsführung (Good Governance) und der Reformwille des Partnerlandes. Budgethilfe harmonisiert die Unterstützungsmaßnahmen der verschiedenen Geber mit dem Ziel, die Reformstrategien und die Eigenverantwortlichkeit des Partnerlandes zu stärken. Sie schafft positive Anreize zur Umsetzung der Reformen und ermöglicht dem Partnerland eine hinreichende Planbarkeit von externen Finanzzuflüssen.
Voraussetzung für das Gelingen ist ein intensiver politischer Dialog aller Beteiligten. Im Rahmen dieses Dialogs werden die Grundprinzipien der Budgethilfe in einer Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) zwischen dem Partnerland und den Gebern festgelegt. Falls sich die politischen Rahmenbedingungen verschlechtern, verfügen die Geber über verschiedene politische und finanzielle Reaktionsmechanismen, wie verzögerte Auszahlungen, graduelles oder vollständiges Aussetzen, Ausstieg, Umprogrammierungen oder Rückforderungen.
In Mosambik soll die Budgethilfe einen wirksamen und koordinierten Beitrag zur Umsetzung der nationalen Armutsbekämpfungsstrategie (PARPA II) leisten. 2004 wurde zwischen Mosambik und den Mitgliedern der sogenannten Gruppe G18 ein entsprechendes Memorandum of Understanding ausgehandelt. Zur G18 gehörten damals neben Deutschland noch 17 andere Geber wie Belgien, Dänemark, Großbritannien, die EU und die Weltbank. 2007 hat sich Österreich dem Kreis angeschlossen, der damit jetzt 16 bilaterale und drei multilaterale Geber umfasst und G19 genannt wird.
Zur Kontrolle der Budgethilfe wurde ein Überprüfungsmechanismus entwickelt, das Performance Assessment Framework (PAF): Zu jedem Schwerpunkt der Armutsbekämpfungsstrategie wurden vom Geberkreis Ziele, Aktionen und Indikatoren festgelegt. Die Geber können anhand des PAF feststellen, ob die Budgethilfe einen effektiven Beitrag zur Armutsbekämpfung leistet. Dazu werten Mosambik und die Geberländer gemeinsam die Programme aus: Sie beurteilen die Fortschritte und greifen ein, wenn Schwierigkeiten bestehen.
Grundbildung und Berufsausbildung
Die Regierung von Mosambik will im Bildungsbereich die Millenniumsziele erreichen. Schon 1998 hat sie einen strategischen Bildungsplan verabschiedet, der 2006 aktualisiert wurde. Die Bundesrepublik unterstützt diesen Plan. Ziel ist, den Zugang zur Bildung für alle Kinder zu ermöglichen, die Qualität der Ausbildung sicherzustellen und die Institutionen zu fördern.
Der Bau und Wiederaufbau von Schulgebäuden und Lehrerhäusern, verbunden mit Sensibilisierungsmaßnahmen für Eltern, verbessert den Zugang zu Bildung in Mosambik. Dies ist wichtig, denn noch immer können etwa 60 Prozent der Erwachsenen nicht lesen und schreiben. Zurzeit lehren viele ungelernte Kräfte: Durch eine bessere Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer und ein integriertes Fort- und Supervisionssystem soll die Qualität des Unterrichts verbessert werden. Außerdem wird besseres Lernmaterial erarbeitet und benutzt.
Die meisten Lehrpläne gingen bisher an den Bedürfnissen der Schüler vorbei. Im neuen Bildungsprogramm ist vorgesehen, dass ein Fünftel des Unterrichtsstoffes vor Ort bestimmt werden kann. Außerdem sollen Gesundheits- und Friedenserziehung sowie Vorbeugung gegen HIV/AIDS in die Lehrpläne aufgenommen werden. Ein weiterer Schwerpunkt der Zusammenarbeit ist der Aufbau von institutionellen Kapazitäten in der Bildungsverwaltung. In diesem Zusammenhang werden auch die mosambikanischen Anstrengungen zur Reform der Berufsbildung unterstützt, um mehr Menschen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen.
Die Anstrengungen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit leisten einen Beitrag dazu, das Ziel "Bildung für Alle" in Mosambik zu verwirklichen.
Dezentralisierung für ländliche Entwicklung
Die Entwicklung auf dem Land steht im Mittelpunkt der Armutsbekämpfung in Mosambik. Zwei Drittel der 21 Millionen Einwohner leben außerhalb der Städte. Sie bewirtschaften das Land mit einfachsten Werkzeugen und Anbaumethoden. Die Erträge reichen den Familien nur zur Sicherung des Existenzminimums. Dementsprechend können die Bauern keine Produkte für den Handel abgeben und haben kein Einkommen. Die Situation wird zusätzlich erschwert, weil kaum dezentrale Strukturen vorhanden sind: Ein Austausch zwischen den ländlichen Bereichen und den wenigen Wirtschaftszentren ist bisher kaum möglich.
Reformen des Regierungs- und Verwaltungssystems sind darum zentraler Bestandteil von entwicklungspolitischen Maßnahmen. Ziel ist, durch lokale und regionale Selbstverwaltung die Versorgung der ländlichen Bevölkerung mit sozialen Grunddiensten zu verbessern. Deutschland unterstützt diese Dezentralisierungsmaßnahmen. Gemeinsam mit anderen Gebern wie Weltbank und Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) hat die Bundesrepublik sich für ein gemeinsames nationales Programm zur dezentralisierten Planung und Finanzierung eingesetzt.
Das neue Programm hat das übergreifende Ziel, den Zugang zu staatlichen Dienstleistungen und deren Qualität und Effizienz zu verbessern. Außerdem soll die Beteiligung der Bevölkerung, die Rechenschaftspflicht und die Verantwortlichkeit der Behörden verbessert werden.
Auch auf regionaler und lokaler Ebene unterstützt Deutschland die dezentrale ländliche Entwicklung. Durch mehr Beteiligungsmöglichkeiten für die Bevölkerung soll die Demokratieentwicklung gestärkt werden. Eine engagierte Zivilgesellschaft stärkt die Menschen vor Ort, vor allem die benachteiligten Gruppen. Sie können sich besser für ihre Belange einsetzen und das dörfliche Leben bereichern.
Die vom Bürgerkrieg stark verwüsteten Provinzen Sofala und Inhambane werden, zusammen mit der Provinz Manica, im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit besonders gefördert. Zum Beispiel werden die Verwaltungen dabei unterstützt, die Budgetmittel, die sie seit 2006 erstmals direkt erhalten, sinnvoll und mit Beteiligung der Bevölkerung einzusetzen. So können dort, wo es am notwendigsten ist, Schulen oder Gesundheitsstationen erbaut oder Initiativen zur Förderung der lokalen Wirtschaft angestoßen werden.
Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
Der Bürgerkrieg hat nicht nur Straßen und Industrieanlagen, sondern auch Märkte und Gewerbestrukturen zerstört. Seit er zu Ende ist, wächst die Wirtschaft in Mosambik. Die Regierung setzt auf eine marktwirtschaftliche Strategie gegen die Armut. Dazu sind weitere Reformen der Wirtschaft nötig, denn bisher ist die Wirtschaftspolitik von der langen kolonialen und der kurzen sozialistischen Erfahrung geprägt.
Die positive Wirtschaftsentwicklung der letzten Jahre wurde vor allem durch eine Reihe von Großprojekten ausgelöst. Sie sind in der Hauptstadt und ihrem Umfeld angesiedelt. Kleine Unternehmen sind meist im informellen Sektor tätig und tragen wesentlich zur Arbeitsplatzschaffung bei. Dennoch wurde ihnen in den letzten Jahren von Seiten der mosambikanischen Regierung nur wenig Beachtung geschenkt.
Die Bundesrepublik fördert den Aufbau der Marktwirtschaft im gesamten Land. Um ein positives Investitionsklima zu schaffen, unterstützt Deutschland die Verbesserung der rechtlichen, politischen und institutionellen Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Mosambik. Ein wesentlicher Bereich ist dabei die Entwicklung und Stärkung des Finanzsektors. Mosambikanische Geschäftsbanken vergeben nur sehr vorsichtig Kredite, die Geschäftspartner müssen finanzstark und bekannt sein. Dadurch fehlt in den Kleinst- und Kleinbetrieben Kapital für Investitionen. Mit Hilfe des deutschen Beitrags soll der Zugang zu Mikrokrediten und Krediten für kleinere und mittlere Unternehmen, insbesondere auch in ländlichen Regionen, verbessert werden.
Das deutsche Engagement in diesem Bereich wird mit den beiden anderen Schwerpunkten der Zusammenarbeit von Mosambik und Deutschland – Bildung und ländliche Entwicklung – eng verzahnt. So wurde mit deutscher Beteiligung beispielsweise die Banco Terra gegründet. Sie ist die erste Bank in Mosambik, die sich zum Ziel gesetzt hat, Finanzdienstleistungen für die Menschen auf dem Land zu schaffen.
Auch die Regierung Mosambiks hat die Schwierigkeiten für Kleinunternehmer erkannt. Sie hat daher eine Reihe von Strukturreformen auf den Weg gebracht, die die Kosten für Unternehmen senken. Schon 2007 wurde das Arbeitsrecht unternehmerfreundlicher gestaltet. Doch für kleinere Investitionen gilt Mosambik nach wie vor als schwieriger Markt. Vor allem die bürokratischen Hemmnisse sind hoch.
Aufgrund der weltweiten Finanzkrise erwarten Experten für 2009 nur noch ein Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent. Wachstum erhofft man sich durch das im Januar 2008 in Kraft getretene Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der EU und den AKP-Staaten. Es erfordert noch einige Anpassungsmaßnahmen, kann dann jedoch Wirtschaft und Handel anregen und den regionalen Verbund fördern.
Entschuldung
Mosambik hat 2001 als eines der ersten Länder vom Schuldenerlass profitiert, der im Rahmen der HIPC-Initiative beschlossen wurde. Dem Land werden insgesamt 2,3 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden erlassen. Der Anteil des Schuldendienstes am Staatseinkommen reduziert sich dadurch bis 2010 von ursprünglich 23 auf unter 10 Prozent. Bereits 2002 flossen nur noch 3,8 Prozent der Exporteinnahmen in den Schuldendienst. Auch Deutschland hat die bilateralen Schulden Mosambiks in Höhe von 178 Millionen Euro und 17 Millionen US-Dollar vollständig gestrichen.
Aufgrund der niedrigeren Zahlungen für den Schuldendienst sind die Sozialausgaben in den letzten Jahren deutlich gestiegen.
Im Januar 2006 gewährte der Internationale Währungsfonds Mosambik im Rahmen der Multilateralen Entschuldungsinitiative einen vollständigen Erlass seiner Schulden in Höhe von 119 Millionen US-Dollar. Die Multilaterale Entschuldungsinitiative wurde im Juni 2005 von den Finanzministern der G8-Staaten beschlossen. Sie knüpft an den Mechanismus der HIPC-Initiative an und gewährt Ländern, die den Vollendungszeitpunkt im Rahmen der HIPC-Initiative erreicht haben, einen vollständigen Erlass ihrer Schulden beim Internationalen Währungsfonds, bei der Weltbanktochter IDA (International Development Association) und dem Afrikanischen Entwicklungsfonds (AfDF).
zuletzt bearbeitet: Juni 2009
Informationen
Siehe auch
- Thema: Armut
- Thema: HIV/AIDS
- Thema: Bildung
- Thema: Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
- Thema: Gute Regierungsführung
- Thema: Entschuldung
- Internationaler Währungsfonds (IWF)
- Weltbankgruppe
Externe Links
Publikationen
-

Partner für ein
starkes Afrika:
Schwerpunkte deutscher Entwicklungspolitik
BMZ Materialien 160
(PDF 3,3 MB) -

Partner für ein
starkes Afrika:
Zusammenarbeit im Bereich Good Governance
BMZ Materialien 161
(PDF 1,7 MB) -

Partner für ein
starkes Afrika:
Zusammenarbeit im
Bereich Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
BMZ Materialien 163
(PDF 2,1 MB) -

Dezentralisierung und
lokale Selbstverwaltung
Faltblatt
(PDF 347 KB, barrierefrei) -

Gesundheit fördern – HIV/AIDS bekämpfen
BMZ Materialien 177
(PDF 968 KB, barrierefrei)


