Situation und Zusammenarbeit
Nach den Wirtschaftskrisen in den 1980er Jahren hat Kameruns Regierung umfangreiche Reformen eingeleitet. Seitdem hat sich die Wirtschaft deutlich erholt. Trotzdem haben sich die Lebensbedingungen der Bevölkerung noch nicht grundlegend verbessert. Besonders in den Städten ist die Arbeitslosigkeit groß; rund ein Viertel der Bevölkerung – vor allem im Norden des Landes – ist unterernährt.
Etwa 40 Prozent der Menschen leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze, mehr als 17 Prozent müssen mit weniger als umgerechnet einem Dollar pro Tag auskommen. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI 2008) belegt Kamerun die 150. von 179. Positionen.
Defizite der zentralistischen Regierungsführung hemmen noch immer die Entwicklung des Landes. Dazu gehören Verstöße gegen die Menschenrechte, Einschränkungen im demokratischen Prozess, unzureichende Transparenz und Effizienz bei der Verwendung öffentlicher Mittel, politischer Klientelismus, Korruption und mangelnde Rechtssicherheit.
Gleichzeitig ist die Regierungsarbeit noch zu wenig auf die Armutsbekämpfung ausgerichtet. Außerdem lässt sie der Bevölkerung nur wenige Möglichkeiten, am Entwicklungsprozess teilzunehmen. Zwar bilden immer mehr Gruppen eine vielfältige Zivilgesellschaft, doch diese muss sich ihren Einfluss erst noch erkämpfen.
Die unzureichende Rechtssicherheit und die schwache Verwaltung halten ausländische Investoren fern. Dabei ist das Land im Prinzip für in- und ausländische Investoren attraktiv, zum Beispiel durch den relativ guten Ausbildungsstand seiner Bevölkerung, die vielen vorhandenen Rohstoffe und die an den Euro gekoppelte Gemeinschaftswährung.
Die Industrialisierung ist bisher wenig voran-
geschritten. Den größten Wirtschaftszweig bildet der primäre Sektor (Landwirt-
schaft, Forstwirtschaft, Fischerei), der oft nur der Selbstversorgung dient. Er trägt etwa 44 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Es werden vor allem Kaffee, Kakao, Baumwolle und Naturkautschuk produziert; der Export dieser Produkte ist in den vergangenen Jahren angestiegen. Auf den Dienstleistungssektor entfallen 40 Prozent und auf die Industrie nur 16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Schätzungsweise 35 Prozent des BIP werden im informellen Sektor erwirtschaftet, vor allem in den Städten.
Wichtigste Einnahmequelle ist der Export von Erdölprodukten und Tropenholz. Kamerun hat in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, die Nutzung seiner Waldflächen auf eine nachhaltige und legale Grundlage zu stellen. Die Herausforderungen in diesem Bereich bleiben allerdings groß.
Die Gesundheitsversorgung in Kamerun ist mangelhaft. Ein großes Problem für das Land ist vor allem die hohe HIV-Infektionsrate. Etwa fünf Prozent der Erwachsenen zwischen 15 und 49 Jahren sind infiziert. Die Kinder- und Müttersterblichkeit ist hoch und in den vergangenen Jahren nicht wesentlich gesunken: 2007 starben 149 von 1.000 lebend geborenen Kindern, bevor sie fünf Jahre alt waren. Umgerechnet auf 100.000 Lebendgeburten starben 1.000 Frauen an Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt.
Entwicklungspotenziale
Die Landwirtschaft hat vor allem in den Zentral- und Südregionen ideale Bedingungen, um Früchte jeder Art anzubauen. Darüber hinaus verfügt Kamerun über ein großes Wasserkraftpotential und eine Reihe von Bodenschätzen wie Bauxit-, Kobalt, Nickel und Erdöl. Durch effektiveres Management in diesen Bereichen könnte die Bevölkerung von neuen Arbeitsplätzen profitieren.
Die Einkommen können sich außerdem durch eine nachhaltige Nutzung der Regenwälder verbessern. Regenwälder machen rund 40 Prozent der Landesfläche aus. Gleichzeitig würde der Wald mit seinen Reichtümern erhalten bleiben. Seit einigen Jahren engagiert sich das Land aktiv in regionalen Initiativen und Prozessen, zum Beispiel bei der Entwicklung eines auf Schutz und Nachhaltigkeit ausgerichteten Waldaktionsplans in Zentralafrika. Chancen für eine positive Entwicklung des Landes bietet auch die hohe Anzahl qualifizierter Arbeitskräfte. Durch die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit stieg der Export land- und forstwirtschaftlicher Güter wie Holz, Kaffee, Baumwolle und Naturkautschuk stark an.
Als Mitglied der Zentralafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (CEEAC) und der Zentralafrikanischen Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft (CEMAC) unterstützt Kamerun eine vertiefte regionale Integration. Das Sekretariat der Zentralafrikanischen Forstkommission (COMIFAC), einem Zusammenschluss zehn zentralafrikanischer Staaten, ist in der Hauptstadt Jaunde angesiedelt.
Schwerpunkte der Zusammenarbeit
Deutschland ist ein wichtiger bilateraler Geber Kameruns. Bei Regierungsverhandlungen im Dezember 2008 wurden Kamerun für die Jahre 2008 und 2009 insgesamt 39 Millionen Euro zugesagt.
Die kamerunisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf drei gemeinsam festgelegte Schwerpunkte:
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Gesundheit und HIV/AIDS
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Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen
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Dezentralisierung, lokale Entwicklung und gute Regierungsführung
Auf Wunsch der kamerunischen Regierung wird derzeit ein Beratungsvorhaben zur Umsetzung der Erklärung von Paris zur Verbesserung der Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit durchgeführt. In Übereinstimmung mit der Paris-Erklärung wurde in der Vergangenheit eine direkte finanzielle Unterstützung des Haushalts in den Sektoren Forstwirtschaft und Gesundheit zugesagt. Diese Zusagen sind an klare Bedingungen wie eine transparente Haushaltsführung und eine verstärkte Bekämpfung der Korruption geknüpft.
Die umfangreichen Reformen haben dazu geführt, dass wichtige Geber wieder Vertrauen in die Bereitschaft der Regierung gefasst haben, die Entwicklung des Landes voranzutreiben und die Armut zu bekämpfen.
Gesundheit und HIV/AIDS
Die Ernährungssituation in Kamerun ist im Vergleich mit den Nachbarstaaten gut, dennoch sind viele Frauen und Kinder unterernährt. Immer noch sterben viele Mütter und Säuglinge aufgrund einer unzureichenden Gesundheitsversorgung. Es gibt zu wenige Ärztinnen und Ärzte und in den staatlichen Krankenhäusern kommt es immer wieder zu Engpässen bei der Versorgung mit Medikamenten und medizinischem Material. Die öffentlichen Gesundheitsausgaben sind im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt sehr gering.
Die Verbesserung dieser Situation ist ein Schwerpunkt in Kameruns nationalem Strategiepapier zur Armutsbekämpfung (PRSP). Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt das Land bei diesem Vorhaben und berät die Regierung bei der Reform des Gesundheitssektors. Ein wichtiges Thema ist dabei zum Beispiel die Entwicklung eines dezentralen Krankenversicherungssystems. Ein weiteres Ziel der Zusammenarbeit ist die Verbesserung des Zustands und der Ausstattung von Krankenhäusern und Gesundheitsstationen. Nichtstaatliche Einrichtungen werden dabei besonders unterstützt.
In Kamerun sind etwa fünf Prozent der Erwachsene zwischen 15 und 49 Jahren mit dem HI-Virus infiziert. Programme zur AIDS-Aufklärung werden daher besonders gefördert, ebenso lokale Selbsthilfegruppen von Infizierten. Die Bundesrepublik unterstützt darüber hinaus Familienplanungsprogramme und Maßnahmen zur Bekämpfung von Tuberkulose und Cholera.
Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen
Die ausgedehnten und artenreichen Tropenwälder Kameruns sind von großer Bedeutung: Lokal ist der Wald eine wichtige Nahrungs- und Einnahmequelle – allein der Holzexport hat einen Anteil von mehr als zehn Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Global sind die Wälder in Kamerun wichtig für die Stabilisierung des Klimas. Die Schäden, die durch eine unzureichende Planung und fehlende Kontrolle der Abholzung entstehen, sind teilweise irreparabel. Ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Kamerun ist deshalb die Förderung einer nachhaltigen Bewirtschaftung des Tropenwaldes. Die Behörden werden bei der Konzeption und Umsetzung geeigneter Strategien beraten. So wird bei Investitionen und Entwicklungsaktivitäten in den Waldgebieten genau geprüft, ob sie umweltverträglich sind und es wird sichergestellt, dass die örtliche Bevölkerung einen Teil der Einnahmen erhält. Im Gegenzug soll die Bevölkerung stärker für den Schutz des Waldes sensibilisiert werden und nachhaltige Nutzungsformen müssen weiter verbreitet werden. Drei Nationalparks wurden eingerichtet, um die einzigartige Natur Kameruns in besonderer Weise zu schützen.
Dezentralisierung, lokale Entwicklung und gute Regierungsführung
Der laufende Prozess der Dezentralisierung der kamerunischen Verwaltung ist eine wichtige Voraussetzung für eine effektivere Armutsbekämpfung. Er fördert demokratische Strukturen und Mechanismen und schafft dadurch der ländlichen Bevölkerung die Basis für eine Entwicklung aus eigener Kraft.
Deutschland fördert diesen Prozess unter anderem durch Unterstützung der Kommunen bei der Wahrnehmung ihrer neuen Aufgaben. Bisher haben die Gemeinden dazu jedoch weder genügenden Handlungs- noch Finanzspielraum. Deshalb werden Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fortgebildet und qualifizierte kommunale Strukturen aufgebaut. Ein weiteres Ziel der Zusammenarbeit mit Kamerun ist die Stärkung zivilgesellschaftlicher Organisationen. Gewerkschaften, Frauenverbände oder Menschenrechtsgruppen sollen sich in Zukunft aktiver am Entwicklungsprozess beteiligen können.
Entschuldung
Kamerun zählte vor dem Schuldenerlass zu den am höchsten verschuldeten Ländern Afrikas. Die Auslandsschulden lagen 2005 noch bei rund 9,3 Milliarden US-Dollar. Durch den HIPC- und MDRI-Schuldenerlass konnte das Land jedoch im Jahr 2006 weitgehend entschuldet werden. Die Bundesregierung hat Kamerun Schulden in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro erlassen.
Die durch die Entschuldung frei werdenden Haushaltsmittel – etwa 200 Millionen Euro pro Jahr bis 2015 – sollen ausschließlich zur Armutsbekämpfung verwendet werden. Die Möglichkeiten für entsprechende, dringend nötige Investitionen und Ausgaben sind somit stark gewachsen, und die Erwartungen der Bevölkerung sind groß. Ein Gremium aus Vertreterinnen und Vertretern von Regierung und Zivilgesellschaft sowie der Geber entscheidet über die konkrete Verwendung der Mittel.
Im Strategiepapier zur Armutsbekämpfung (PRSP) von 2003 ist dargelegt, wie die weiteren Entwicklungsziele erreicht werden sollen. Die Bereiche wirtschaftliche Entwicklung, Infrastruktur und nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen wurden neben Bildung und Gesundheit als Schwerpunkte genannt. Besondere Bedeutung wird der Verbesserung der Regierungsführung und der Korruptionsbekämpfung beigemessen. Das Armutsstrategiepapier wird seit 2007 überarbeitet und den neuen Bedingungen angepasst. Ein deutlicher Akzent soll dabei auf die Förderung des Wirtschaftswachstums gelegt werden.
zuletzt bearbeitet: Januar 2009
Informationen
Siehe auch
Externe Links
Publikationen
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Gesundheit fördern – HIV/AIDS bekämpfen
BMZ Materialien 177
(PDF 968 KB, barrierefrei) -

Dezentralisierung und
lokale Selbstverwaltung
Faltblatt
(PDF 347 KB, barrierefrei) -

Korruption vorbeugen – Transparenz fördern:
Was tut die deutsche Entwicklungspolitik?
(PDF 193 KB, barrierefrei) -

BMZ Diskurs 008: Entwickelt Öl? Möglichkeiten der entwicklungsorientierten Nutzung der Öleinnahmen in Subsahara Afrika
(PDF 401 KB) -

Partner für ein
starkes Afrika:
Schwerpunkte deutscher Entwicklungspolitik
BMZ Materialien 160
(PDF 3,3 MB) -

Partner für ein
starkes Afrika:
Zusammenarbeit im Bereich Good Governance
BMZ Materialien 161
(PDF 1,7 MB)


