Situation und Zusammenarbeit
Ghana hat in den ver-
gangenen Jahren einen vorbildlichen Demo-
kratisierungsprozess durchlaufen und wirtschaftspolitische Reformen wirksam umgesetzt. Um diese positiven Entwicklungen weiter zu unterstützen, sind viele Geber umfangreich in Ghana engagiert. Ghanas Abhängigkeit von Gebermitteln ist dadurch jedoch hoch, gut ein Drittel des Staatshaushaltes ist geberfinanziert.
Die Verminderung der Armut sowie die Förderung des Wirtschaftswachstums sind die Hauptziele der Regierung. Seit 2003 orientiert sich die Politik an einem nationalen Strategiepapier zur Armutsbekämpfung (PRSP). Im November 2005 verabschiedete die Regierung ein Nachfolgepapier: die ghanaische Wachstums- und Armutsbekämpfungsstrategie II (Growth and Poverty Reduction Strategy II, GPRS II). Leitbild der Strategie ist ein agrarbasiertes, breitenwirksames Wachstum. Die Modernisierung der Landwirtschaft und die Verbesserung der Infrastruktur, der sozialen Dienstleistungen und der Qualifizierung von Arbeitskräften sollen in Ghana die Armut reduzieren. Außerdem soll die Regierungsführung verbessert (Good Governance) und die Privatwirtschaft gefördert werden.
Die Wirtschaft profitiert von den hohen Weltmarktpreisen für Kakao und Gold. Ghana ist der zehntwichtigste Goldproduzent weltweit; mit Gold erzielt das Land mehr als ein Drittel seiner gesamten Exporterlöse. Danach folgen Kakao und Edelhölzer.
Ghanas ist stark von der Landwirtschaft geprägt. Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen arbeiten im Agrarsektor.
Die Produktivität der Landwirtschaft ist aber immer noch sehr gering. Fast die Hälfte der ghanaischen Wirtschaftsleistung erbringt der informelle Sektor.
Ausländische Investoren werden zum Teil noch durch bürokratische Hürden und Unsicherheit bei der Durchsetzung von Rechtsansprüchen abgeschreckt. Auch fehlende Kommunikationsverbindungen und die unzureichende Ausbildung der Arbeitskräfte hemmen Auslandsinvestitionen. Etwa 42 Prozent der Menschen in Ghana können nicht lesen und schreiben.
Die Regierung bemüht sich, die Rahmenbedingungen für Investoren zu verbessern. Mit dem Ghana Investment Promotion Centre hat sie eine erste Anlaufstelle für Investoren geschaffen. Außerdem plant Ghana zahlreiche Projekte im Infrastrukturbereich. Im Weltbank-Bericht "Doing Business 2009", der das Investitionsklima in 181 Ländern misst, liegt Ghana auf Platz 87 und hat sich damit gegenüber dem Vorjahr um fünf Ränge verbessert.
Doch von der guten wirtschaftlichen Entwicklung profitieren noch nicht alle Einwohner Ghanas. Fast die Hälfte der Bevölkerung hat weniger als umgerechnet einen US-Dollar pro Tag zur Verfügung. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI) von 2009 steht Ghana auf dem 152. Platz von 182 Ländern.
Die Bevölkerung wächst jährlich um rund zwei Prozent. Das hohe Wachstum hat zu einer zu intensiven Nutzung der Ackerflächen geführt. Brandrodungen und illegale Abholzungen bedrohen die Waldbestände. Nach Schätzungen der Umweltstiftung WWF (World Wide Fund For Nature) sind bis zu 60 Prozent des Holzeinschlages widerrechtlich. Die Umwelt leidet außerdem unter Schäden durch den Bergbau und die Industrie.
Ein weiteres Problem in Ghana ist die Versorgung mit Wasser. Nur 80 Prozent der Bevölkerung haben gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Entwicklungspotenziale
Ghanas Bergbausektor befindet sich im Aufschwung, der hohe Goldpreis und neue Investitionen wirken sich günstig auf die Produktion aus. Er wird jedoch von internationalen Unternehmen dominiert.
Seit 2003 ist Ghana Mitglied der 2002 in Johannesburg ins Leben gerufenen Initiative zur Verbesserung der Transparenz in der Rohstoffindustrie (Extractive Industries Transparency Initiative, EITI).
Neben dem Bergbau sind auch Landwirtschaft, Fischerei, Forstwirtschaft und die Nutzung der Wasserkraft Wirtschaftszweige, die in Zukunft zur Entwicklung Ghanas beitragen können. Auch der Tourismus entwickelt sich gut. Eine der Voraussetzungen für die positive Entwicklung dieser Bereiche ist jedoch die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen.
Die Zivilgesellschaft in Ghana nutzt ihre Freiheiten zunehmend und trägt somit zur weiteren Demokratisierung des Landes bei. Die politischen Verhältnisse sind inzwischen stabil. Die Strategie zur Armutsbekämpfung wird von der Bevölkerung mitgetragen. In Ghana gibt es viele qualifizierte Arbeits- und Führungskräfte, das Land unternimmt weitere Anstrengungen, um die Bedingungen für ein gutes Investitionsklima zu schaffen. Wenn es gelingt, eine größere Rechtssicherheit für Investoren herzustellen, könnten viele vermögende Auslands-Ghanaer in ihre Heimat zurückkehren und in die dortige Wirtschaft investieren.
Außenpolitik
Ghana betreibt seit Jahren erfolgreich eine Politik guter Nachbarschaft und setzt sich für eine regionale Zusammenarbeit ein. Das Land gehört zu den Aktivisten in der Afrikanischen Union. Von Anfang 2007 bis Januar 2008 hat Ghana die Präsidentschaft der Afrikanischen Union übernommen. Das Land engagiert sich im Rahmen der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Economic Community of West African States, ECOWAS) für eine intensive Zusammenarbeit in der Region und unterstützt das wirtschaftliche Entwicklungsprogramm NEPAD (Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung). Ghana ist das erste afrikanische Land, das den "African Peer Review Mechanism" (APRM) der NEPAD erfolgreich abgeschlossen hat. Der APRM ist ein freiwilliges System zur Überprüfung der Regierungsführung in den afrikanischen Ländern. Die NEPAD geht davon aus, dass die Entwicklung Afrikas durch mangelhafte Regierungsführung behindert wird und eine verbesserte Regierungsführung vielen Ländern ein beschleunigtes Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele und eine Zunahme in- und ausländischer Investitionen bescheren kann.
Ghana setzt sich in der Region für die friedliche Lösung von Konflikten ein; im Sommer 2003 hat das Land beispielsweise erfolgreich im liberianischen Bürgerkrieg vermittelt.
Im Dezember 2007 hat Ghana mit der Europäischen Union ein Interims-Abkommen im Rahmen der geplanten Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit den AKP-Staaten (Economic Partnership Agreements, EPA) unterzeichnet. Es räumt ghanaischen Exporten weiterhin freien Zugang zu europäischen Märkten ein und liberalisiert teilweise den Marktzugang für europäische Produkte in Ghana. Ghana sieht die EU als Vorbild für die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS).
Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit
Deutschland gehört neben Großbritannien, den USA, Dänemark, Kanada und den Niederlanden zu den wichtigsten Gebern Ghanas.
Am 1. März 2007 wurde von allen 16 in Ghana tätigen OECD/DAC-Gebern die Gemeinsame Geberstrategie Ghana (Ghana Joint Assistance Strategy, G-JAS) unterzeichnet. Sie bildet den Rahmen für die Unterstützung der ghanaischen Wachstums- und Armutsbekämpfungsstrategie II und des APRM-Aktionsplans. Die Laufzeit der Gemeinsamen Geberstrategie beträgt vier Jahre (2007 bis 2010).
Das Bundesentwicklungsministerium sagte Ghana für die Jahre 2009 bis 2011 Mittel in Höhe von insgesamt 130 Millionen Euro zu. Dies entspricht einer Erhöhung von bisher 26,5 Millionen Euro auf 43,33 Millionen Euro pro Jahr und einem Zuwachs von über 60 Prozent. Hierin kommt das Ziel der Bundesregierung zum Ausdruck, Partnerländer mit guter Regierungsführung besonders zu unterstützen.
Die Regierungen von Ghana und Deutschland haben für ihre Zusammenarbeit die folgenden Schwerpunkte vereinbart, die an der ghanaischen Armutsstrategie ausgerichtet sind und einen Beitrag zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele leisten:
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Landwirtschaft und Sicherung der Ernährung
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Dezentralisierung
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Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
Landwirtschaft und Sicherung der Ernährung
Damit die Armut in Ghana bekämpft und die Ernährung gesichert werden kann, engagiert sich Deutschland für die Steigerung der Produktivität in der Landwirtschaft. Zurzeit werden ihre Potenziale nur schlecht genutzt; technische, institutionelle und wirtschaftspolitische Defizite führen dazu, dass die Wertschöpfung der Landwirtschaft in Ghana nur sehr gering ist. Besonders die Kleinbauern haben es schwer, ihre Produkte zu vermarkten.
Ziel des deutschen Engagements in diesem Schwerpunktbereicht ist, dass die Bäuerinnen und Bauern in Zukunft nicht mehr nur für ihren Eigenbedarf produzieren, sondern durch ihre Waren ein Einkommen erzielen können. Um das zu erreichen, werden die Bauern beraten, um die Produktion und Vermarktung ihrer Produkte zu verbessern.
Darüber hinaus wird eine ländliche Infrastruktur aufgebaut. Außerdem wird die Integration von Wertschöpfungsketten, also das abgestimmte Zusammenwirken von Landwirtinnen und Landwirten, Händlerinnen und Händlern und den Verarbeitungsbetrieben unterstützt.
Durch langfristige Abnahmeverträge zwischen Kleinbauern und Händlern von Rohprodukten, erhalten die Bauern ein sicheres Einkommen und können langfristiger planen und investieren.
Dezentralisierung
Die Dezentralisierung ist ein wichtiges Ziel, das sich Ghana in seinem Strategiepapier zur Armutsbekämpfung gesetzt hat. Die Regierung des Landes engagiert sich mit Nachdruck für den Aufbau demokratischer Strukturen und für die Verbesserung der Staatsführung. Durch den Aufbau nationaler, regionaler und lokaler Verwaltungsstrukturen versucht sie, die Grundlagen für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu schaffen.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit fördert diese Anstrengungen Ghanas. Dabei konzentriert sie sich vor allem auf die folgenden Aspekte: Unterstützung bei der Umsetzung der Strategie zur Armutsbekämpfung, armutsorientierte Dezentralisierung und kommunale Entwicklung , Erhöhung der Rechtssicherheit durch Rechtsreformen, zum Beispiel durch Unterstützung der Bodenverwaltung, Förderung der Zivilgesellschaft und Verbesserung der Leistungsfähigkeit von Verwaltungseinrichtungen. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die Arbeit verschiedener politischer Stiftungen in Ghana. Auch der DED, verschiedene Nichtregierungsorganisationen und die Kirchen engagieren sich für die Demokratisierung und den Aufbau der Zivilgesellschaft in Ghana.
Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
Die Regierung von Ghana setzt gemeinsam mit der internationalen Gebergemeinschaft des Landes große Hoffungen in den privaten Wirtschaftssektor. Ein Regierungsprogramm, das die Privatwirtschaft zum Motor des Wachstums machen soll, trägt den verheißungsvollen Titel "Golden age of business". Damit es zu einem solchen "goldenen Zeitalter" für die Wirtschaft in Ghana kommen kann, müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Privatsektor dazu motivieren, deutlich mehr als bisher zu investieren.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Ghana fördert darum die Entwicklung der Märkte, der Produkte und der Dienstleistungen in Ghana. Sie trägt dazu bei, strukturelle Schwächen abzubauen und Kapazitäten zur Unterstützung der Entwicklung von Kleinst-, Klein- und mittleren Unternehmen (KKMU) zu schaffen. Dies erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Unternehmensverbänden, Ministerien und Distriktverwaltungen. Auch der verbesserte Zugang zu Finanzdienstleistungen ist ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit.
Unter Beachtung der Kernarbeitsnormen soll die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe steigen, damit sie den Menschen Arbeitsplätze und Einkommen bieten können. Mit diesem Ziel engagiert sich eine große Zahl deutscher Organisationen in Ghana. Durch Technische Zusammenarbeit und durch die Entsendung von Fachkräften soll die Wirtschaft und die Entwicklung von Absatzmärkten gefördert werden. Behörden, die für die Wirtschaft zuständig sind, werden ebenso beraten und unterstützt, wie Nichtregierungsorganisationen, die im Bereich des privaten Sektors arbeiten.
Entschuldung
Ghana war eines der am höchsten verschuldeten Länder Afrikas. Im Jahr 2000 legte das Land ein vorläufiges Strategiepapier zur Reduzierung der Armut (PRSP) vor und erreichte im Februar 2002 den Entscheidungszeitpunkt der HIPC-II-Initiative. Das vollständige PRSP legte Ghana im Februar 2003 vor. Im Juli 2004 hat Ghana den Vollendungszeitpunkt erreicht.
Ghana hat sich mit Erreichen des Vollendungszeitpunkts außerdem für die Multilaterale Schuldenerlass-Initiative (MDRI) qualifiziert, die im Juni 2005 von den G8-Staaten in Gleneagles beschlossen wurde. Dem Land werden alle Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF), bei der Weltbanktochter IDA (International Development Association) und dem Afrikanischen Entwicklungsfonds (AfDF) erlassen. Die Gesamtentlastung Ghanas im Rahmen der beiden Entschuldungsinitiativen betrug 7,4 Milliarden US-Dollar.Deutschland hat Ghana sämtliche Schulden in Höhe von rund 494 Millionen Euro erlassen.
zuletzt bearbeitet: Dezember 2009
Informationen
Siehe auch
- Pressemitteilung 16.12.2009:
Deutschland verstärkt Zusammenarbeit mit Ghana - Thema: Ernährungssicherung
- Thema: Good Governance
- Thema: Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
- Thema: Ländliche Entwicklung
- Thema: Entschuldung
Externe Links
- Afrikanische Union
(englisch) - Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (NEPAD)
(englisch) - Ghanas Strategiepapier zur Armutsbekämpfung (PRSP)
(PDF 947 KB, englisch)

Publikationen
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Partner für ein
starkes Afrika:
Schwerpunkte deutscher Entwicklungspolitik
BMZ Materialien 160
(PDF 3,3 MB) -

Dezentralisierung und
lokale Selbstverwaltung
Faltblatt
(PDF 347 KB, barrierefrei) -

Zentrale Heraus-
forderungen für wirtschaftliche Ent-
wicklung in Afrika
südlich der Sahara
Stellungnahme des wissenschaftlichen
Beirats beim BMZ
BMZ Spezial 151
(PDF 717 KB, barrierefrei)


