
Afghanistan
Die afghanische Geschichte kennt nur wenige friedliche Phasen – das Land war stets umkämpft. Im 19. Jahrhundert stritten sich Großbritannien und Russland um die Vorherrschaft in der Region. Die Briten behielten schließlich die Oberhand und errichteten Ende des 19. Jahrhunderts ein Protektorat. Nachdem Afghanistan 1919 seine Unabhängigkeit erlangt hatte, prägten innere Streitigkeiten die Entwicklung. Die damaligen Versuche, einen modernen Staat zu etablieren, scheiterten an traditionellen Machtstrukturen.
Nach einem Militärputsch entflammte 1978 ein Bürgerkrieg, in den die Sowjetunion 1979 durch einen Einmarsch eingriff. Es folgte ein zehnjähriger Guerilla-Krieg zwischen der Besatzungsmacht und den afghanischen Widerstandskämpfern, den Mujahedin. Auch der Abzug der sowjetischen Truppen brachte keinen Frieden: Die strategischen und religiösen Interessenskonflikte verschiedener Völker wurden auf dem Boden Afghanistans ausgetragen.
1992 eroberte eine Mujahedin-Koalition Kabul und rief einen islamischen Staat aus. In heftigen Kämpfen wurde Afghanistan in Einflusszonen mehrerer Kriegsherren aufgeteilt. Schließlich nahmen 1996 die "Taliban" Kabul ein. Sie begannen mit der Umsetzung ihrer radikal-islamischen Ordnungsvorstellungen und brachten den Menschen in Afghanistan weiteres Unheil. 2001 entmachtete eine internationale Allianz unter der Führung der USA das Regime.
Bilanz des 23 Jahre dauernden Krieges: Hunderttausende Tote, Millionen Flüchtlinge, eine völlig zerstörte Infrastruktur, extreme Armut.
Neuanfang 2001
Seit 2001 stehen Afghanistan und die internationale Gemeinschaft vor der großen Herausforderung, den brüchigen Frieden zu erhalten und zu festigen. Wirtschaftliche, soziale und politische Strukturen müssen wiederhergestellt oder oftmals ganz neu errichtet werden.
Der Grundstein für den politischen Wiederaufbau des Landes wurde Ende 2001 auf einer Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn gelegt. Seinen vorläufigen Abschluss fand dieser Prozess mit den afghanischen Parlamentswahlen im September 2005. Heute sind die wesentlichen demokratischen Institutionen etabliert, die Zivilgesellschaft wurde gestärkt. Unter anderem haben sich die politischen Rahmenbedingungen für Frauen erheblich verbessert. Afghanistan hat nun eine Verfassung, die den Frauen und Mädchen gleiche Rechte wie den Männern einräumt und auch die Vertretung von Frauen im Parlament sichert. Trotz anhaltender gravierender Defizite, vor allem auf dem Land, haben wieder mehr Frauen und Mädchen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung. Jetzt gilt es, die erreichten Erfolge zu sichern, auszubauen und die landesweite wirtschaftliche und soziale Entwicklung eines der ärmsten Länder der Welt zugunsten aller Bevölkerungsteile voranzutreiben.
Beziehungen zwischen Afghanistan und Deutschland
Die afghanisch-deutschen Beziehungen haben eine lange und positive Geschichte, die bis zu den Anfängen des 20. Jahrhunderts zurückreicht. Beide Länder arbeiten traditionell auf vielen Gebieten eng zusammen. Die Bundesrepublik ist heute für fast 90.000 Menschen afghanischer Abstammung zur zweiten Heimat geworden.
Die Bundesregierung hat beim Wiederaufbau des Landes eine führende Rolle übernommen. Voraussichtlich wird dieses Engagement noch lange andauern müssen, um den demokratischem Neuanfang in Afghanistan zu sichern.
Zur Schaffung eines stabilen Umfelds für den zivilen Wiederaufbau engagiert sich Deutschland im Rahmen eines integrativen Ansatzes aus zivilem Wiederaufbau und militärischer Absicherung. Dazu gehört auch die Entsendung von Truppen: Derzeit beteiligen sich etwa 4.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten in der internationalen Sicherheitsbeistandstruppe (ISAF) daran, den Frieden in Afghanistan zu sichern und afghanische Sicherheitskräfte auszubilden.
Entwicklungspolitische Zusammenarbeit
Die Entwicklungszusammenarbeit von Afghanistan und Deutschland konzentriert sich auf die Schwerpunkte Energie, Trinkwasserversorgung, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Grundbildung.
Weitere Arbeitsschwerpunkte sind die Förderung der Rechtsstaatlichkeit und der Menschenrechte – besonders die Verbesserung der Lage von Mädchen und Frauen. Zusätzlich unterstützt Deutschland die afghanische Regierung bei ihren Bemühungen, den Schlafmohnanbau und den Drogenhandel einzudämmen.
NEWSLETTER
Deutsche Entwicklungs-
zusammenarbeit mit Afghanistan
Newsletter 8
Dezember 2009/
Januar 2010
(PDF 803 KB)
des Newsletters
Informationen
Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Afghanistan
Wazir Akbar Khan
Mena 6
Kabul
Telefon: 00 93 / 20 / 210 15 12
Externe Links:
Das deutsche Engagement in Afghanistan
- Informationen der Bundesregierung:
Deutschland hilft in Afghanistan - Informationen des Auswärtiges Amts:
Entwicklung und Sicherheit – Warum Deutschland in Afghanistan engagiert ist - Informationen der Bundeswehr über die International Security Assistance Force (ISAF)
- Informationen des Bundesministeriums des Innern über die Polizeiliche Aufbauhilfe Afghanistan


